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SST179/180 – „Pornos müssen aus der Schmuddelecke raus“ – Interview mit Paulita Pappel

SST179 – Ich bin Pornoproduzentin & Feministin – Interview mit Paulita Pappel Teil 1

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SST180 – „Pornos müssen aus der Schmuddelecke raus“ – Interview mit Paulita Pappel Teil 2

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SST179/180 – „Pornos müssen aus der Schmuddelecke raus“ – Interview mit Paulita Pappel

Kann man als Pornodarstellerin arbeiten und trotzdem Feministin sein? Kann man Pornos produzieren und gleichzeitig eine politische Message haben? Ist eine Revolution in der Pornobranche längst überfällig, und wenn ja, wie kann sie passieren?

In meinem Podcast war heute Paulita Pappel zu Gast. Paulita war selbst viele Jahre aktive Pornodarstellerin, bevor sie auf die andere Seite gewechselt ist und nun Regie führt. Sie ist Gründerin der beiden Pornoproduktionsfirmen Lustery und Hardwerk und setzt sich mit ihrer Arbeit dafür ein, Pornos aus der Schmuddelecke zu holen und einen neuen gesellschaftlichen Umgang mit dem Genre zu finden.

Im Interview erzählt sie von ihrem eigenen Werdegang. Gleichzeitig zeigt sie Ideen auf, die Pornobranche nachhaltig zu revolutionieren.

„Ich kann Feministin sein und Pornos machen“

Paulita wurde 1987 in Spanien geboren und verließ das sehr katholisch geprägte Land nach ihrem Schulabschluss, um in Berlin zu studieren. Sie fühlte sich schon früh zur Pornobranche hingezogen, saß aber lange selbst dem gängigen Klischee auf, Frauen würden in Pornos lediglich objektifiziert und benutzt werden. Während ihres Studiums in Berlin sollte sich diese Ansicht ändern: „Auf der Uni lernte ich zum ersten Mal queer-feministische Frauen kennen, die Pornos als Teil ihrer politischen Praxis gemacht haben. Das war mind-blowing für mich. Da hab ich zum ersten Mal erkannt: Ich kann Feministin sein und trotzdem Pornos machen„, erzählt Paulita. Sie bewarb sich zunächst als Darstellerin und arbeitete die nächsten Jahre vor der Kamera. 

Pornos als Selbstermächtigung

„Ich wurde vor meinen Drehs gefragt: ‚Was magst du? Worauf stehst du?‘ Und ich dachte: ‚Wow, das hat mich noch nie jemand gefragt'“, sagt Paulita.

Sie hatte eine ganze Weile lang keine konkreten Antworten auf diese Fragen und erkannte, dass sie gerade dabei war, einen zentralen Kernaspekt für erfüllte Sexualität zu erforschen: ihre eigenen Bedürfnisse. „Während dieser Anfangsjahre habe ich gelernt, dass ich zuerst selbst wissen muss, was ich will und was ich nicht will. Und dass ich auch meinem Gegenüber genau zuhören muss, um zu verstehen, was er oder sie möchte. Außerdem habe ich gelernt, auch während dem Sex gut zu kommunizieren.“

Nach rund fünf Jahren als Darstellerin kehrte die Routine ein und Pornos wurden zu einem ’normalen Job‘ für Paulita. Sie begann, auch andere Aufgaben zu übernehmen – arbeitete als Casterin, in der Produktion und Organisation.

Der Wunsch nach mehr Reichweite

„Ich hatte in meinem Job immer das Gefühl, in einer kleinen, magischen Bubble zu leben und zu arbeiten. Doch irgendwann wollte ich dann, dass mehr Menschen an dieser Bubble teilhaben können“, erzählt Paulita.

In ihr formte sich die Idee, eine Produktionsfirma zu gründen, die ganz ’normalen‘ Paaren dabei hilft, ihren authentischen Sex aufzuzeichnen und zur Verfügung zu stellen. So entstand im Jahr 2016 Lustery, eine Plattform für Amateurporno: „Wir haben uns gefragt: Wie kommt man am nächsten an die Realität? Auf Lustery gibt es keine Drehbücher. Menschen haben einfach Sex, ohne dabei Rollen zu spielen. Für die Produktion stellen wir lediglich Guidelines zur Verfügung, die den Paaren dabei helfen, auch wirklich schöne Videos von sich zu machen.“ 

Parallel zu dieser Entwicklung verspürte Paulita in sich selbst mehr und mehr den Wunsch, ihre eigene Sexualität noch vielfältiger auszuleben.

Authentisch ist für jeden Menschen anders…

„Aufgrund meines Aussehens und meiner Körpergröße wurde ich selbst in Produktionen immer schnell in die Schublade ‚Girl Next Door‘ gesteckt, sprich: das gute, sanfte Mädchen. Ich habe aber nach einiger Zeit gemerkt, dass mir diese Rolle überhaupt nicht entspricht und dass es mir nicht gut tut, wenn ich sie weiter spiele“, erzählt Paulita, „und das ist interessant: Denn viele Menschen würden wahrscheinlich das Gegenteil erwarten. Dass man in Pornos zu krassen Sachen gezwungen wird, die man gar nicht machen will.

Bei mir war es andersrum. Ich wollte die sanften, süßen Sachen nicht mehr machen.“ Als sie ihren derzeitigen Partner kennenlernte, öffnete er ihr die Tür zum Hardcore-Porno. Er erzählte ihr von einem Gang-Bang-Dreh und sie spürte: „Das ist mein nächster Schritt. Zuerst hatte ich viele Vorurteile. Ich dachte, Hardcore zu machen sei irgendwie nicht richtig. Doch mit der Zeit habe ich das für mich geändert.Heute weiß ich: Wenn es sich für mich richtig anfühlt, dann ist es richtig.“

Aus diesem Entschluss heraus entstand die Produktionsfirma Hardwerk, die Paulita gemeinsam mit ihrem Partner gründete. Für Hardwerk ist sie ebenfalls als Regisseurin im Einsatz. 

„Man sollte auch das Vorher und Nachher sehen“

In Paulitas Filmen wird vor allem auf Eines eingegangen: die Bedürfnisse und Grenzen der Darsteller*innen. Vor jedem Dreh gibt es eine eingehende Vorbesprechung, bei der alle erzählen, was sie gerne tun und was sie nicht möchten.  Um die Fantasien der Darsteller*innen herum sind die Geschichten der Drehbücher gebaut. Während des Drehs gibt es Szenenbild und Maske, die Rollen sind klar verteilt. Der Sex ist jedoch nie gescriptet: „Bei uns gibt es kein: ‚Mach erst die Position, dann geh da rüber und mach das.‘ Es wird auch niemals unterbrochen. Wir filmen mit zwei Kameras rundherum und die Darsteller*innen haben volle Freiheit“, erzählt Paulita, „eigentlich fände ich es schön, wenn es zu jedem Porno auch ein Behind the Scenes gäbe, damit man mitbekommt, was vorher und nachher passiert. Denn als Konsument*innen sehen wir immer nur das Endergebnis, und dadurch entstehen viele Vorurteile.“

Raus aus der Schmuddelecke

Diese Vorurteile würden immer noch die gesellschaftliche Wahrnehmung der Pornoindustrie prägen, ist Paulita überzeugt. „Oft wird der Porno als Sündenbock für alle sexuellen Probleme der Menschen hingestellt. Das liegt daran, dass das Genre selbst so marginalisiert und an den Rand gedrängt wird“, sagt Paulita, „man kriegt für Pornos keine staatlichen Förderungen. Man darf nicht dafür werben. Was passiert also? Erfolgreich sind nur die Firmen, die auf Profit ausgelegt sind, und das ist wiederum die Qualität, die wir konsumieren. Alternative Firmen haben kaum eine Chance, gesehen und wahrgenommen zu werden. Dadurch gibt es kaum Diversität und andere Blickwinkel am Markt.“

Ein Teufelskreis, bei dem sich die Katze selbst in den Schwanz beiße. „Allein wenn man sich die Richtlinien der Deutschen Filmförderung mal ansieht, kriegt man schon einen Eindruck. Sie fördert keine Filme mit ‚gewaltverherrlichenden oder pornografischen Inhalten‘. Es wird also Sex mit Gewalt gleichgesetzt. Da existiert einfach eine krasse Schieflage, die adressiert werden muss“, so Paulita. Statt Pornos so extrem zu marginalisieren und aus dem gesellschaftlichen Blick zu drängen, solle mehr Aufmerksamkeit dahin gelenkt werden, diversifizierte Angebote in besserer Qualität zu schaffen. Es brauche neue Formate, neue Herangehensweisen und zeitgemäße Gesetze. Dafür setzt sich Paulita mit ihrer Arbeit täglich ein.

Wenn du dich ebenso für diesen Zugang und Paulitas Arbeit interessierst, kannst du sie unterstützen, indem du ihr auf Instagram folgst oder Pornos über ihre Plattformen konsumierst und dafür bezahlst. „Denn allem, was ich bezahle, schreibe ich Wert zu. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die Arbeit, die dahintersteht, weitergehen kann“, sagt Paulita.

Du findest Paulitas Plattformen hier: 

Instagram: https://www.instagram.com/paulitapappel/

Lustery: http://www.lustery.com/

Hardwertk: www.hardwerk.com

Wenn du dich, inspiriert durch unser Gespräch, nun intensiver (und schambefreit) mit deiner eigenen Sexualität auseinandersetzen willst, hast du ab 2. Februar 2022 wieder die Möglichkeit dazu. Denn da startet mein Tantra-Online-Programm „Explore Your Sex“ in die nächste Runde. Du kannst dich gleich hier auf meiner Website anmelden. Bis 7.12. gilt noch der Early Bird Preis!

Ich freu mich auf dich, deine Kathrin ♥️

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Weitere Podcast Episoden findest du hier.

Liebe Grüße Kathrin Ismaier

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